Kaum ein Tag ist in den letzten zwei Jahren vergangen, an dem uns keine Meldungen über die vielen Menschen erreicht haben, die in Europa und in der Bundesrepublik Zuflucht suchen. Ihre Integration stellt jeden Einzelnen von uns derweil vor eine Mammutaufgabe. Nicht nur Politik, NGOs und Freiwillige sind gefragt, sondern ganz besonders auch die Wirtschaft. Wir gehen sogar einen Schritt weiter und behaupten, dass es an dieser Stelle nicht ohne die Unterstützung der Wirtschaft geht. Arbeit ist schließlich ein wichtiger Motor für eine gelungene Integration, Arbeit ermöglicht Ankommen und einen Neustart.

Die Frage aller Fragen ist nur: wie helfen? Natürlich haben wir kein Patentrezept. Schließlich sind die Möglichkeiten und Ressourcen eines jeden Einzelnen völlig unterschiedlich. Wir können und wollen Ihnen also gar nicht sagen, ob und wie Sie oder ihre Kollegen in dieser Situation helfen können. Überhaupt steht es uns auch gar nicht zu, mit moralischem Zeigefinger Anweisungen zu geben. Wir können aber berichten, wie wir uns engagieren und was unsere Erfahrungen sind. Ein bisschen Inspiration schadet schließlich nie.

Im Frühjahr 2016 startete unser erstes „Bewerbungscoaching für geflüchtete Menschen“. Initiiert und durchgeführt von zwei unserer Mitarbeiterinnen, gingen vier motivierte junge Männer zwei Monate lang allen wichtigen Fragen rund um das Thema „Bewerbung“ nach: Wo finde ich eine Stellenanzeige? Wie sieht eine gute Bewerbung aus? Was passiert in einem Vorstellungsgespräch und wer ist eigentlich dieser Max Mustermann?

Ziel unseres Pilotprojektes war es, jungen Geflüchteten einen Weg durch den deutschen Bewerbungsdschungel zu zeigen. Dass Arbeit sozusagen die Eintrittskarte in unsere Gesellschaft ist, steht außer Frage. Aber sind wir mal ehrlich: Woher soll jemand, der hier nicht aufgewachsen ist und die Sprache nur rudimentär spricht, wissen, wie die „Spielregeln“ auf unserem Arbeitsmarkt aussehen? Aus diesem Grund wollten wir mit unserem Bewerbungscoaching junge Menschen auf ihrem Weg in ein neues und eigenständiges Leben in Deutschland begleiten. Wir wollten Perspektive schaffen, Geflüchteten die Chance ermöglichen, an unserem Leben teilzunehmen und uns für einen chancengleichen Zugang zu Ausbildung und Arbeit stark machen.

Und was sollen wir sagen? Der Erfolg des Coachings hat uns regelrecht beflügelt. Zwei der jungen Männer konnten direkt nach Ende des Bewerbungscoachings in ein Praktikum starten und das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. Entsprechend erleichtert und stolz sind wir noch immer. Natürlich war dieses Projekt zunächst Neuland für uns. Selbstverständlich gestaltete sich unsere Idee „irgendwie helfen zu wollen“ zunächst als große Herausforderung. Am Anfang stand vor allem die Frage: Was können wir tun? Was passt zu uns? Hinzukommt, dass die Verantwortung, die ein solches Engagement mit sich bringt, auch einschüchtern kann. Sind wir der Aufgabe gewachsen? Was können wir vermitteln, wo liegen unsere Stärken und machen wir auch alles richtig? Letztendlich haben wir uns dann ein Herz gefasst und einfach das getan, was wir schon immer tun: Junge Menschen fit für den Start ins Berufsleben machen. Das hat Tradition bei uns und hier fühlen wir uns zuhause. Dank der hilfreichen Unterstützung des Forum Ehrenamt aus Königswinter wurde aus der anfänglichen Unsicherheit dann rasend schnell große Überzeugung. Denn das Bewerbungscoaching hat allem voran eines gemacht: sehr viel Spaß. Wir haben eine intensive und aufregende Zeit gehabt, tolle Menschen getroffen und viel Neues gelernt. Beeindruckt hat uns auch die langfristige Chance, die die jungen Talente für unser Land bedeuten. Und nicht zuletzt möchten wir uns auch bedanken: Für die Gelegenheit, den eigenen Horizont zu erweitern und an solchen Aufgaben zu wachsen. Wir können nur jeden ermutigen, diesen Schritt zu gehen – in welcher Form auch immer. Wir unterstützen und beraten wo wir können, und teilen unsere Erfahrungen mit jedem, der sich dafür interessiert. Für uns steht auf jeden Fall fest: Wir machen weiter. Die zweite Runde Bewerbungscoaching steht schon in den Startlöchern.

Engagiert sich Ihr Unternehmen in der Geflüchtetenhilfe? Wie? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Haben Sie vielleicht spannende Ideen oder Gedankenanstöße zum Thema? Lassen Sie es und wissen!

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