Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten der EU hat das Europäische Parlament im Jahr 2014 eine Richtlinie zur Erweiterung der Berichterstattung von großen kapitalmarktorientierten Unternehmen und Konzernen verabschiedet. Ziel dieser Richtlinie ist es, Transparenz über die ökologischen und sozialen Aspekte von europäischen Unternehmen zu erlangen. So soll ein nachhaltigeres und verantwortungsvolleres Handeln der Wirtschaft unterstützt und gefördert werden. Diese nicht-finanzielle Berichterstattung wurde nun für einige Unternehmen verpflichtend eingeführt. Das Gesetz gilt rückwirkend ab dem 1.1.2017 und wird damit bereits für das laufende Geschäftsjahr wirksam.

Welche Unternehmen sind betroffen?

Die Frage, für wen denn die Berichtspflicht denn nun tatsächlich gilt, lässt sich nicht mit einem Satz beantworten. Definitiv davon betroffen sind aber

  • kapitalmarktorientierte Unternehmen
  • mit mehr als 500 Beschäftigten,
  • deren Umsatz bei über 40 Millionen Euro oder deren Bilanzsumme bei über 20 Millionen Euro an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen liegt.
  • Banken, Versicherungen und Fondgesellschaften, unabhängig davon, ob sie börsenorientiert sind.

EU-weit gilt die Berichtsplicht demnach für knapp 6.000 Unternehmen. Gerade diese Unternehmen sind häufig international tätig und vor allem die Investoren dieser Firmen sind an der umfassenden nicht-finanziellen Berichterstattung interessiert. So vermeiden Anleger, Geld in Aktivitäten zu investieren, die sie aus ethischen und nachhaltigen Gründen ablehnen.

Doch nicht nur für diese großen Firmen wird die Berichtspflicht künftig eine Rolle spielen, denn ihr Nachhaltigkeitsbericht muss auch Informationen über die Lieferkette beinhalten. Somit ist die Richtlinie auch für kleinere Unternehmen, die als Zulieferer tätig sind, von Bedeutung. Auch sie sind indirekt aufgefordert, freiwillig Daten zu erheben. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass die Berichtspflicht langfristig ausgeweitet wird. Umso größer ist dann der Vorteil für diejenigen Unternehmen, die sich schon heute mit der Richtlinie vertraut machen.

Über was muss in welcher Form berichtet werden?

Thematisch lässt sich sagen, dass der Nachhaltigkeitsbericht Informationen zu vielen Bereichen der sozialen und ökologischen Dimension liefern soll: So etwa zu Umwelt-, Sozial- und Arbeiterbelangen, der Achtung der Menschenrechte und der Bekämpfung von Korruption und Bestechung oder eben der erwähnten Lieferkette.

Bezüglich der Form des Berichtes gibt es keine starren Vorgaben. Stattdessen kann sie von den Unternehmen frei gewählt werden. So erhalten die entsprechenden Unternehmen die Möglichkeit, flexibel und ohne unverhältnismäßige Vorgaben ihre Berichtspflicht erfüllen zu können: integriert im Geschäftsbericht, parallel zum Geschäftsbericht oder zeitlich nachgeordnet binnen einer Frist von vier Monaten nach dem Bilanzstichtag.

Orientierung bieten an dieser Stelle bereits bestehende Rahmenwerke, wie z.B. der UN Global Compact und das EMAS (Eco-Management und Audit Scheme). Für den deutschen Mittelstand bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) Hilfestellung bezüglich der Berichtserstellung. Nutzen Unternehmen keinen empfohlenen Berichtstandard, müssen sie dieses begründen.

Drohen Sanktionen bei Nicht-Erfüllung der Berichtspflicht?

Hier gilt ein eindeutiges: Ja!

Unternehmen, die ihrer Berichtspflicht nicht nachkommen, können mit einem Bußgeld von bis zu zehn Mio. Euro bestraft werden. Dabei orientiert sich die tatsächliche Summe am Umsatz und Gewinn des entsprechenden Unternehmens.

Allerdings ist bislang nur eine Prüfung des Bestehens des Berichtes vorgesehen. Es wird also kontrolliert, ob überhaupt ein Bericht vorliegt. Eine inhaltliche Prüfung ist weder in der EU-Richtlinie noch im deutschen Gesetzentwurf enthalten.

CSR Reporting – nicht nur Pflicht, sondern auch Chance

Sicherlich markiert die CSR-Berichtspflicht für eine Reihe an Unternehmen lediglich eine weitere Auflage, die es von nun an zu erfüllen gibt. Allerdings bietet genau diese Pflicht auch eine Reihe an Chancen und Möglichkeiten, finden wir.

Genaugenommen markiert ein Bericht immer das Ende eines Prozesses und bildet die Grundlage, auf derer sich Unternehmen mit einer Reihe von Fragen auseinander setzen müssen: Wo will ich hin? Welche Chancen und Risiken habe ich? Worauf muss ich in Zukunft achten? Auf eben solche Fragen kann der Nachhaltigkeitsbericht Antworten liefen. Er zeigt schonungslos auf, wo Optimierungsbedarf besteht und wo Risiken liegen. Genauso deckt er aber Potenziale und Möglichkeiten auf – und das bereits sehr frühzeitig. Nehmen Unternehmen diese Daten ernst, können sie die eigene Wettbewerbsfähigkeit erheblich steigern und sich langfristig erfolgreich am Markt positionieren.

Auch hinter dem Stichwort „Transparenz“ verstecken sich viele Vorteile der Berichtspflicht. Denn schon lange beurteilen Kunden, Investoren und Geschäftspartner ein Unternehmen nicht mehr nur anhand wirtschaftlicher Kennzahlen. Kaufentscheidungen werden beispielsweise immer häufiger aufgrund nachhaltigkeitsbezogener Kriterien getroffen. Auch potentielle neue Mitarbeiter und Talente orientieren sich bei der Arbeitgebersuche an genau diesen Aspekten. Wer also seine CSR-Aktivitäten offenlegt, dem eröffnen sich neue Chancen für eine positive Unternehmensidentität und vieles darüber hinaus.

Allein aus diesem Grund möchten wir gerade auch die kleinen Unternehmen dazu motivieren, diese Chance zu ergreifen. Denn auch für sie ergeben sich ganz neue Möglichkeiten und Wege zur systematischen Unterstützung  nachhaltig wertorientierten Wirtschaftens – unabhängig davon, ob sie Zulieferer für berichtspflichtige Unternehmen sind oder nicht.

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