Wir sprachen von Tradition und es wurde Tradition. Zum dritten Mal veranstalteten wir unsere Querdenker-Veranstaltung „R(h)ein-Denken“. Am 04. Juli, dem Unabhängigkeitstag der U.S.A., luden wir Entscheider und Führungskräfte dazu ein, sich mit uns und unseren Referenten über Toleranz, Europa, den Umgang mit dem Islam, unserer Stimme, Kompetenz und der Einfachheit des Wanderns auseinanderzusetzen. Die ca. 35 Teilnehmenden waren ein bunter Mix aus Kunden, Partnern, Netzwerkpartnern, ehemaligen Referenten und dazugehörigen Kontakten.

Gemeinsam schauten wir über den Tellerrand! Unser Geschäftsführer Stephan Multhaupt eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: „Wir freuen uns über so viel Interesse. Gestern beim Summer Slam des Digital Hub waren zwar 900 Personen, mit denen konnte man sich ja aber gar nicht unterhalten. In unserer kleinen aber feinen Runde wird das wesentlich einfacher. Wir hoffen, wie auch die letzten Jahre auf rege Beteiligung und wünschen uns, euch und Ihnen viel Spaß!“

Patrycja Muc führte erneut kompetent durch die Veranstaltung und musste das Publikum nicht zur Beteiligung anregen. Alle Teilnehmenden hatten viele Fragen, Meinungen und Diskussionsanstöße.

Den Crossthinking-Gedanken vermittelte Patrycja Muc mit den Worten: „R(h)ein-Denken verbindet auch in diesem Jahr wieder Disziplinen miteinander, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Wir beschäftigen uns mit Religion, Musik und Reise. Wie diese Themen miteinander korrelieren und welche neuen Denkanstöße Sie am Ende dieser Cross-Thinking-Veranstaltung mitnehmen, bleibt Ihnen und unseren außergewöhnlichen Referenten überlassen.“

Besonders der erste Vortrag „Quo vadis, Europa? Alles gleich-gültig?“ von Islamwissenschaftler Dr. Carsten Polanz rief intensive Diskussion hervor.

Er startete mit der provokanten Frage, ob wir eine tolerante oder gleichgültige Gesellschaft sind. Um das beantworten zu können stellte er die „alte“ und „neue“ Definition des Toleranzbegriffes dar. In der veralteten Definition kommt der Begriff aus dem Wortstamm selbst – nämlich von tolerare (lat.), was ertragen, erdulden, erleiden bedeutet. Diese Definition bedeutet für den Einzelnen: „Ich ertrage es, dass jemand in für mich grundlegenden Fragen anderer Meinung ist, und begegne ihm mit Respekt, ohne dabei meine eigenen Überzeugungen aufzugeben oder zu verschweigen.“

Die postmoderne Begriffsinterpretation geht davon aus, dass Toleranz bedeutet, dass alles gleich gültig und gleich gut ist. Wenn das stimmt, geht es nur noch darum, welche „Wahrheit“ dem Einzelnen am besten „schmeckt“. Seine These daraus ist, dass die aktuelle Definition von Toleranz weniger tolerant ist, als sie vorgibt zu sein, denn Gleichgültigkeit sei keine Toleranz. Wo alles gleich gültig scheint, verlieren Menschen die Fähigkeit, Weltanschauungen und Religion in ihrem Selbstverständnis ernst zu nehmen und zu Ende zu denken. Notwendige Grundsatzdebatten können dann im Namen der Toleranz auf zuweilen sehr intolerante Weise unterdrückt werden.

Der halbstündige Vortrag führte zu kontroverser Diskussion im Publikum über den Toleranzbegriff an sich, Relativismus und Absolution, Wissenschaft und Wissenschaftsgläubigkeit, Selbstliebe und Werteverständnis.

 

Auch in den Pausen wurde fleißig weiterdiskutiert und Herr Dr. Polanz wurde ungerne zur nächsten Veranstaltung entlassen. Demnach war es auch schwierig alle Teilnehmer wieder in den Vortragsraum zu lotsen, damit der zweite Vortrag starten konnte. So groß war das Bedürfnis nach Dialog.

Doch Ulrike Krone schaffte es alle schnell wieder zu Konzentration und Ruhe zu bewegen. Ihr Vortrag über die Frage: „Müssen wir alle singen lernen?“ fesselte das Publikum.

Zunächst berichtete sie über die unterschwellige Relevanz der Stimme in unserer Gesellschaft. „Anhand von Redewendungen, die fest in unserem Alltag verankert sind, kann das besonders festgemacht werden.“ Stimmig sein, das stimmt, verstimmt sein, den Ton angeben sind nur einige wenige aus der langen Liste von Beispielen. Unsere Stimme spiegelt unsere Persönlichkeit wider und ist der Spiegel unserer Stimmung. Emotionen sowie weitere Parameter einer Person (Geschlecht, Alter, Herkunft, Bildung, Status etc.) lassen sich in der Stimme erkennen.

Danach ging sie auf die Wahrnehmung von Stimme ein: Wie entsteht eigentlich ein Ton und wie werden Tonhöhe, Satzmelodie, Betonung und Tempo wahrgenommen? Denn unsere Stimme ist viel mehr als das Resultat der Aktion von Muskeln. Welche Möglichkeiten haben wir noch, um unsere Stimme zu nutzen?

Mit Übungen hat Ulrike Krone das Publikum die Unterschiede von Atmung, Körperspannung und -haltung und Artikulation am eigenen Leib erleben lassen. Das kollektive Lippenschlackern und „PST“en rief grinsen hervor und trug wahrscheinlich weiterhin zur ausgelassenen, vertrauten Stimmung bei.

Zum Schluss konnte sie zwar kein Patentrezept weitergeben, da jede Stimme wie die dazugehörigen Menschen individuell ist, stellte jedoch anschaulich dar, wie eine entspannte Stimme Souveränität, Authentizität und Kompetenz vermittelt.

Auch die darauf folgende Pause wurde wieder rege zu Austausch und Diskussion genutzt.

Im für den Tag letzten Vortrag thematisierte Tony Hinze, Reiseveranstalter und Abenteurer, die Einfachheit des Wanderns.

Er lief vor zwei Jahren 2518 km von der Südspitze Norwegens bis zum Nordkap. In den 131 Tagen unterwegs hatte er viel Zeit sich über sein Leben, seine Freunde, seine Motivation und das Leben allgemein Gedanken zu machen. Seine Erkenntnisse teilte er während der kommenden 45 Minuten mit uns. Seine Schlagwörter, die oftmals fielen und die er als Etappenmarkierungen nutzte waren:

  • Distanz
  • Zeit
  • Dankbarkeit

Durch die weite Strecke zwischen sich und seinem Zuhause war es ihm möglich Grenzen abzustecken, den Fokus zu schärfen und rückblickend Klarheit zu erlangen. Dabei hat ihn nicht der Drang nach Orientierung nach Norwegen getrieben – vielmehr war es die Neugier nach den eigenen Grenzen.

Während seiner Wanderung hat er Zeit nochmal aus einem anderen Blickwinkel und als allerwichtigstes Gut kennengelernt. Auch wenn er seine Reise durchgeplant hat und einem Ziel entgegenlief, das je mehr Kilometer man am Tag schafft, umso schneller erreicht werden kann, nahm er sich Zeit um außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten zu finden, am Weg sitzen zu bleiben oder seine Reise zu dokumentieren. Sich bewusst Zeit zu nehmen, um über sich und seine Umwelt nachzudenken und zu reflektieren, hat er sich auch nach seiner Heimkehr als „Ritual“ im Alltag bewahrt. „Auch wenn das unglaublich schwer ist, da einen der Alltag doch ziemlich schnell wieder einholt“, so Hinze.

Besonders während der letzten Kilometer übermannte ihn die Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die ihm in Norwegen geholfen haben, gegenüber seinen Freunden und seiner Familie, allen Unterstützern und selbst seinen Schuhen gegenüber. Die trug er nämlich die letzten 5 km zum Norkap, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Händen. Die Heimreise warf ihn dann auf den Boden der Tatsachen zurück. Was viereinhalb Monate dauerte zu erwandern, überflog er einfach in anderthalb Stunden.

Viele selbstgemachte Fotos vom goldenen Herbst, den imposanten Wasserfällen, der ausdrucksstarken Natur und den beeindruckenden Polarlichtern verschlugen dem Publikum den Atem und weckten bei allen Fernweh und Reiselust. Er ermunterte alle „einfach loszulegen“, denn dann kann keiner mehr sagen „beinahe wäre ich mal gewandert.“

Insgesamt war es ein motivierender Nachmittag, der die emotionale Bandbreite bespielte.

Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei allen Teilnehmern  und selbstverständlich bei allen Referenten bedanken! Mit viel Elan, Motivation und Ideen haben Sie die Veranstaltung ein weiteres Mal zu einem vollen Erfolg gemacht!

PS.: Die ausdrucksstarken Fotos verdanken wir Rainer Keuenhof. Für unser leibliches Wohl hat Magd und Knecht gesorgt.

Danke!

Und der nächste R(h)ein-Denken Termin steht schon fest: Am Donnerstag, 19. April 2018 ab 15:15 Uhr heißt es wieder querdenken und voneinander lernen.

Sie waren bereits R(h)ein-Denker? Wir freuen uns über Ihr Feedback in den Kommentaren.

Sie haben Anregungen oder Vorschläge für die nächsten Themen oder wollen beim nächsten R(h)ein-Denken dabei sein? Schreiben Sie Frau Caroline Koziolek!

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